Freitag, 19. Januar 2018
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„Aktionstag Schichtwechsel“ wirbt für Inklusion

Aktionstag Schichtwechsel

Menschen mit Behinderung haben ein Recht auf Arbeit, dies ist in Artikel 27 der UN-Be­hin­der­ten­rechts­kon­ven­tion festgelegt. Mit der Umsetzung klappt es jedoch nur unzureichend. Erst kürzlich mussten die Blindenwerkstätten in Steglitz-Zehlendorg ihr Aus zum Jahresende verkünden.

Einmal im Jahr wirbt der „Aktionstag Schichtwechsel“ berlinweit für die Integration von Behinderten in die Arbeitswelt. Am 12. Oktober 2017 war berlinweit „Schichtwechsel“ angesagt in Berliner Unternehmen und Behörden. Bezirksbürgermeisterin Angelika Schöttler war bei der Aktion aktiv dabei

Weit über 100 Leitungskräfte und Mitarbeiter_innen aus Unternehmen, Behörden und landeseigenen Betrieben tauschten ihren Arbeitsplatz mit Beschäftigten der 17 Berliner Werkstätten für Menschen mit Behinderung.

Eingeladen zu diesem besonderen Perspektivwechsel hatten die Landesarbeitsgemeinschaft Werkstätten für behinderte Menschen (LAG WfbM) und die Berliner Werkstatträte (BWR).

Was kaum bekannt ist: mehr als 10.000 Menschen arbeiten berlinweit in Behindertenwerkstätten. Viele Industrieunternehmen nutzen die Angebote der Träger, und lagern Teile von Produktionsprozessen an die Werkstätten aus – zu wettbewerbsfähigen Kosten und Erträgen.

Bezirksamtsmitarbeiter aus Tempelhof-Schöneberg aktiv dabei

Bezirksbürgermeisterin Angelika Schöttler hatte diese Einladung sehr gerne angenommen:

„Es wird viel über Inklusion geredet. Aber wie es ist, in einer Werkstatt für Menschen mit Behinderung zu arbeiten, das wissen die wenigsten.“

So trat Angelika Schöttler ihren Dienst am Aktionstag nicht wie gewöhnlich im Rathaus Schöneberg an, sondern sie absolvierte gemeinsam mit der Beauftragten für Menschen mit Behinderung, Franziska Schneider, ihre „Schicht“ in der Marienfelder Behindertenwerkstatt des L-Werkes Berlin Brandenburg gGmbH.

Weitere Mitarbeiter_innen des Bezirksamtes beteiligten sich ebenfalls am Aktionstag, und versahen ihren Dienst an einem der Standorte des L-Werkes.

Umgekehrt trat die Vorsitzende des Werkstattrates ihren Dienst im Rathaus Schöneberg an. Hier konnte sie hautnah miterleben, wie es ist, im bezirklichen Ehrenamtsbüro zu arbeiten.

L-Werk mit über 20 Gewerken am Markt aktiv

Fast 1000 Menschen mit Behinderung beschäftigt alleine das L-Werk mittlerweile an verschiedenen Standorten in ganz Berlin. In den mehr als 20 unterschiedlichen Gewerken werden die behinderten Menschen nicht nur beschäftigt, wie Betriebsstättenleiter Ronald Zocha betont, sondern können auch die IHK-anerkannte theoriereduzierte Ausbildung zur oder zum Fachwerker_in machen.

„Und nicht nur das“, ergänzt Stephan Kersten, verantwortlich für die Öffentlichkeitsarbeit des L-Werkes, „wir bieten auch ganz reguläre berufliche Ausbildungen an für Menschen mit und ohne Behinderung.“

Chancen auf reguläre Arbeitsplätze werden verbessert

Die Bezirksbürgermeisterin greift diesen Hinweis auf, um sich zu erkundigen nach den Chancen der Werkstattbeschäftigten, auf den ersten Arbeitsmarkt zu wechseln. Dass es hier noch viel zu verbessern gilt, ist Zocha und Kersten bewußt. „Wir betreiben aktiv Arbeitsplatzakquise und nutzen hierfür auch die bezirklichen Unternehmensnetzwerke. Da heißt es, dicke Bretter zu bohren.“ Weitere Verbesserungen erhofft man sich von dem neuen Bundesteilhabegesetz.

Ab 2018 können sich Werkstattbeschäftigte, ausgestattet mit einem „Budget für Arbeit“, einen Arbeitsplatz auf dem ersten Arbeitsmarkt suchen. „Hierbei unterstützen wir natürlich unsere Beschäftigten tatkräftig, und stehen auch interessierten Arbeitgebern beratend zur Seite“, betonen Kersten und Zocha.

„Die Arbeits- und Bildungsmöglichkeiten in einer Behindertenwerkstatt sind weitaus vielfältiger, als mir bislang bewusst war“, resümierte Angelika Schöttler und hält diese für eine gute Vorbereitung für den regulären Ausbildungs- und Arbeitsmarkt.

Die Beauftragte für Menschen mit Behinderung ergänzte: „Wir unterstützen gerne weiterhin das L-Werk und unsere Partner bei Aktivitäten, die den Wechsel von der Werkstatt auf den Arbeitsmarkt erleichtern.“

Nähere Informationen:

Beauftragte für Menschen mit Behinderung, Franziska Schneider

E-Mail: behindertenbeauftragte@ba-ts.berlin.de | Tel.: 030/90277-7255

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