Dienstag, 12. Dezember 2017
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Alpha Bündnis gegen Analphabetismus

Alpha-Bündnis

Auch in Tempelhof-Schöneberg leben Menschen, die nicht lesen und schreiben können. Es ist ein stilles, kaum wahrnehmbares Problem. Für Betroffene ist es ein Hindernis, beim Zugang zu Arbeit und Lebenschancen. Es ist aber auch ein lösbares Problem – und im Bezirk wird daher ein neues Angebot geschaffen.

Am 7. November wurde ein Alpha Bündnis für den Bezirk Tempelhof-Schöneberg mit Unterstützung der Bezirksbürgermeisterin Angelika Schöttler und der Wirtschaftsförderung gegründet.

„Beraten, Begleiten, Vernetzen – Gemeinsam mit einem Alpha Bündnis gegen Analphabetismus in Tempelhof-Schöneberg“ – so lautet die Aufgabenstellung.

Breite Kooperation

In Zusammenarbeit mit der Volkshochschule Tempelhof-Schöneberg, des Grund-Bildungs-Zentrums und der Senatsverwaltung für Bildung, Jugend und Familie setzt sich der Bezirk Tempelhof-Schöneberg für Alphabetisierung und Grundbildung ein. Das Alpha-Bündnis wird durch den Verein Arbeit und Leben – DGB/VHS Berlin-Brandenburg e.V. koordiniert und ist ein Netzwerk von Institutionen und Vereinen, die sich einsetzen, um Analphabetismus im Bezirk zu bekämpfen.

Lesen und nicht Verstehen können: funktionaler Analphabetismus

Eine Studie der Universität Hamburg aus dem Jahr 2011 hat gezeigt: in Deutschland gelten etwa 7,5 Millionen Erwachsene als sogenannte funktionale Analphabeten. Das heißt, sie können zwar Buchstaben, Wörter und einzelne Sätze lesen und schreiben, haben jedoch Mühe, einen längeren zusammenhängenden Text zu verstehen. 60 Prozent aller funktionalen Analphabeten hierzulande sind dabei Männer.

Dinge des alltäglichen Lebens, wie Bedienungsanleitungen, Automaten oder das Studieren der Abfahrt- und Ankunftszeiten am Bahnhof, sind für die Betroffenen eine Herausforderung. Viele Betroffene fallen im Arbeitsleben kaum auf, weil sie sich mit einfachen Tätigkeiten begnügen. Meist entwickeln sie sogar ausgeklügelte Strategien, damit das Problem in der Schule, am Arbeitsplatz oder im Familien- und Freundeskreis nicht auffällt. Dennoch ist er Leidensdruck groß.

Lese- und Sprachkurse schaffen eine große Erleichterung, und am Arbeitsplatz blühen Betroffene regelrecht auf, wenn sie sich aus Falle der Analphabetismus befreien können.

Schirmherrin stellt Kontakt zu Unternehmen her

Bezirksbürgermeisterin Angelika Schöttler ist Schirmherrin:„Der Bezirk möchte jedem Einzelnen Hilfestellung leisten und die Lebensqualität mit Hilfe des Alpha-Bündnisses erhöhen“, sagte sie auf der Gründungsveranstaltung. Schöttler zeigte sich erfreut über das Interesse zahlreicher Akteur_innen an einem Alpha-Bündnis.
Bezirksstadträtin Jutta Kaddatz betonte in ihrer Rede ebenfalls die Dringlichkeit des Themas. Bei rund 34.000 Arbeitnehmer_innen im Bezirk seien ca. 10 % davon betroffen. Die Kurse besuchen aber nur ca. 1 % von den funktionalen Analphabet_innen. Daraus folgt, dass es weiterhin für viele Menschen im Bezirk riskant ist, sozial oder auch beruflich isoliert zu werden. Zudem geht ohne Lese – und Schreibkompetenzen gehe die Lebensqualität der Menschen verloren.

Insbesondere Arbeitgeber und Unternehmen werden vertrauensvoll unterstützt. Unter dem Motto „Beraten, Begleiten, Vernetzen“ werden Menschen daher unterstützt offen über die Problematik zu sprechen und eingelaen, Kurse zu besuchen. Die Wirtschaftsförderung wird für das Alpha-Bündnis den Kontakt zu den Unternehmen des Bezirks herstellen.

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m/s