Samstag, 19. August 2017
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Ceciliengärten – städtebauliches Denkmal des Art déco

Wohnsiedlung Ceciliengärten

Die in den Jahren 1922 bis 1927 erbaute Wohnsiedlung Ceciliengärten in Nähe es Innsbrucker Platz gehört zum Berliner Bezirk Tempelhof-Schöneberg. Sie wurde 1995 in die Berliner Denkmalliste aufgenommen. Die Grünanlagen der Siedlung wurden bereits 1977 zu einem Gartendenkmal erklärt. Erbaut wurde sie Wohnsiedlung von Heinrich Lassen (* 27. März 1864; † 21. Februar 1953). Der aus Flensburg stammende Architekt, Baubeamter und Kommunalpolitiker hat ein großes Werk hinterlassen. Als Stadtbaurat des Berliner Bezirks Schöneberg realisierte er in den 1920er Jahren eine Reihe öffentlicher Bauten.

Wohnsiedlung Ceciliengärten
Wohnsiedlung Ceciliengärten: großzügiger repräsentativer Statplatz mit Sichtachse – Foto: tsz

Benennung der Wohnsiedlung nach Cecilie von Preußen

Namenspatronin für die Benennung der Ceciliengärten im Jahr 1912 war Kronprinzessin Cecilie von Preußen (1886–1954), Gattin des deutschen Kronprinzen Wilhelm, nach ihr ist auch Schloss Cecilienhof in Potsdam benannt.

Kontrast zum Neuen Bauen

Die Wohnsiedlung steht sie im Kontrast zu mehreren, zeitgleich entstandenen Berliner Siedlungen, die heute dem Neuen Bauen zugerechnet werden. Die noch am Jugendstil orientierte Gestaltung der Ceciliengärten mit Ornamenten, Staffelungen und Spitzdächern war im Stil des Neuen Bauen verpönt. Die Architekten Walter Gropius und die Brüdern Max und Bruno Taut propagierten klare, sachliche Formen. Sie standen dabei noch ganz unter dem Einfluss jenes berühmten Vortrags unter dem Motto „Vortrag Ornament und Verbrechen“ von von Adolf Loos, der die gesamte spätere Baugeschichte beeinflusste und die Bauhausbewegung mit hervorbrachte.

Ceciliengärten im April
Kirschblüte in en Zufahrtsstraßen – Foto: tsz

Art déco Elemente und Gartengestaltung

Die Ceciliengärten sind eines der seltenen Beispiele, in denen Gartenanlage, der Architektur-Gliederung, Materialauswahl zum Teil verspielte Fassaden ein Gesamtkunstwerk formen, das seine Qualitäten bis heute zeigt. Die Ceciliengärten zu einem öffentlichen Freilichtmuseum des Art déco, das in vielen Architekturführern zu finden ist.
Regelmässig im Frühjahr lockt die Kirschblüte, vor allem wenn visitberlin seine Tourismus-Tips auffrischt.
Doch die Gartenanlage wurde für eine ganze sommerliche „Blühsaison“ entworfen:

– gelb blühende Forsythien zeigen sich im Frühjahr,
– danach entfalten rosafarbene japanischen Kirschbäume ab Ende april ihren Blütenzauber,
– die lilafarbenen Dolden der Fliederbüsche folgen nach im zentralen Bereich,
– den Sommerbeginn markieren weiß blühende Rosskastanien am zentralen Platz,
– rosafarbenen Rosen auf dem Platz verzaubern die Frauenstandbilder „Der Morgen“ und „Der Abend.“

Seit der 750-Jahr-Feier Berlins im Jahr 1987 ist die gesamte Anlage komplett restauriert und zeigt sich als sehenswertes Beispiel und städtebauliches Denkmal des Art déco.

Wohnsiedlung Ceciliengärten
Wohnsiedlung Ceciliengärten: nicht ganz originalgetreuer aber familienfreundlicher Spielplatz – Foto: tsz

Weitere Bauten von Heinrich Lassen in Schöneberg

Heinrich Lassen hat im Bezirk weitere Werke geschaffen. 1929 wurde der Kiosk mit Wartehäuschen und Bedürfnisanstalt auf dem heutigen Breslauer Platz in Berlin-Friedenau gebaut. Das Stadtbad Schöneberg in der Hauptstraße und die Bedürfnisanstalt am Rathaus Schöneberg sind ebenfalls sein Werk. Der Heinrich- Lassen-Park am Stadtbad Schöneberg wurde zur Erinnerung an den Stadtbaurat benannt.

Der Beitrag über die Ceciliengärten in Wikipedia fasst das Wissen über die Wohnsiedlung fast schon mustergültig zusammen.

Weitere Informationen:

Wikipedia: Ceciliengärten

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