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„Female-Shift“ im Berlin-Tourismus

"Female-Shift" im Berlin-Tourismus

Im Berlin-Tourismus werden die Weichen neu gestellt. Die Berliner Bezirke sollen mehr in das Hauptstadtmarketing einbezogen werden. Doch nicht jeder Ort und nicht jede Attraktion eignen sich für Touristen und lautstark auftretende Reisegruppen und Party-Freundeskreise, die sich mit dem Smartphone spontan über Apps und Chats verabreden. „Überfüllung“ und „Überlaufen“ drohen, auch „Overcrowding“ genannt.

Lange Schlangen vor Clubs, nächtelanges Warten auf 500-Paar BVG-Sneakers, Rollkoffer-Invasion in Wohnvierteln – es gibt viele Anlässe, um über neue Ansätze im Tourismus nachzudenken. In der Simon-Dach-Straße hat man schon 2016 einen Eintrag in der GoingLocal-App moniert, weil aus den „App-Empfehlungen“ erst smartmobile Trampelpfade, dann Touristen-Schwärme wurden.

Das größte Problem: An Sommertagen fragen Anwohner im Kiez und Touristen die gleichen Grünanlagen und Parks nach. Im Mauerpark in Prenzlauer Berg führt es zur steten Überlastung des Grüns, Rasen verschwindet, auch Pflanzflächen werden zertrampelt. Eine ausgelassene Freizeitkultur wird sich selbst zur Attraktion. Wer Ruhezonen sucht, muss sich an Wochenende andere grüne Orte suchen.

Manche Orte, Sehenswürdigkeiten und Gärten und Parks haben eine hohe „Sensitivität“. Sie sind empfindlich für zu viele Besucher, oder für unangemeldete Besucher. Manche Orte werden in Touristenführern beworben, obwohl striktes Fotografierverbot herrscht, und nur angemeldete Kleingruppen gewünscht werden.

Die Frage ist erlaubt: eignet sich etwa der Volkspark Mariendorf als ein Reiseziel für jungen Party-Tourismus? Oder ist hier eher ruhiger und verträglicher Gruppentourismus in der Nebensaison sinnvoll? Lässt sich das steuern? Oder sorgen Internetseiten und digitale Maps und Routenempfehlungen womöglich erst für zeitweiliges unvorhersehbares Chaos und „Schwarmverhalten“ vor Ort?

Es sind Fragen, für die es keine einfachen Antworten gibt. Internet und Smartphone werden offenbar umso problematischer, je schöner oder schlechter das Wetter ist, und je spontaner von Vielen gleichzeitig nach Tageszielen gesucht wird.

Aus diesem Blickwinkel stellen sich plötzlich elementare Qualitätsfragen! – Aber wie soll diese komplexe Thematik lösungsorientiert und nachhaltig angefasst werden?

Der innovative Ansatz: es wird besonders auf die Bedürfnisse einer eng umgrenzten und besonders sensitiven Zielgruppe geschaut: Frauen als Städte- und Kulturtouristinnen und als Kongress-Gäste und Geschäftsreisende.

Frauen als Gäste – unbeschwertes Lebensgefühl als zentrale Tourismusqualität

Immer mehr Frauen reisen auch allein, oder als Gruppe von Frauen. Unter Geschäftsreisenden erwartet die Unternehmensberatun A.T. Kearney bis 2020 einen Zuwachs des Frauenanteils von 20% auf rund 38%. Auch unser Städtetouristen gibt es einen wachsenden Frauenanteil, auch der ganz allein reisenden Frauen.

Doch es gibt einen Gender Gap: vor allem allenreisende Frauen wünschen sich mehr Sicherheit und Schutz: vor Belästigungen, aber auch vor Diebstahl und sexistischen Übergriffen. Ein gesellschaftlicher Umbruch ist im Gange, der Kultur, Gesellschaft und Politik, aber auch den Tourismus und die Gastronomie erfaßt.

In der Tourismusbranche gibt es inzwischen weltweit viele Ideen und Konzepte, touristische Angebote besonders auf die Zielgruppe Frauen auszurichten. Es geht um freie Selbstentfaltung, individuelle Freiheit und ein unbeschwertes Lebensgefühl. Und es geht um Urbanität und Vielfalt in der Stadt. Gelingt es, diese Qualitäten auch soloreisenden Frauen zu sichern, gewinnt die ganze Stadt eine besseres Lebensgefühl, ein entspannteres, kontemplatives Klima – und letztlich auch Möglichkeiten für wertvollere menschliche Begegnungen.

Kultivierte Servicequalität – Sicherheit im Kulturtourismus

Internet-Reiseportale für Frauen, Hotelstockwerke nur für Frauen, geführte „WomenOnly-Touren“ – das gibt es schon, aber es sind zum Teil aus der Not geborene Lösungen, die in Ländern mit tief verwurzelten Kultur- und Sicherheitsproblemen und fehlender Gleichberechtigung entwickelt wurden.

Berlin ist als europäisch geprägte Kulturmetropole sicherer, toleranter und freier – aber eben leider nicht perfekt!

Kultivierte und selbstverständliche Servicequalität für Frauen ist gefragt, auch Mehrsprachfähigkeit und nicht zu letzt Sicherheit im Kulturtourismus.

Frauen wünschen sich in der Regel Umfeldinformationen, um sich in ungezwungender Atmosphäre frei bewegen und mit anderen Menschen in Kontakt treten zu können:

– wie komme ich sicher zum gewünschten Ort?
– was sind situationsangepaßte und angemessene Verhaltensformen?
– wie kann ich mich stylen, ohne falsche Interpretationen auszulösen?
– gibt es „Gruppen-Tische“ („Communal Tables“), an denen Frau sich ungezwungen dazu setzen kann?
– welche Aktivitäten können bedenkenlos allein unternommen werden?
– wie sieht der sichere Weg nach Haus oder ins Hotel aus?

Niederbarnimer Eisenbahn
Niederbarnimer Eisenbahn oft überfüllt – NEB bei der Einfahrt in den Bahnhof Wandlitz – Foto: m/s

Herausforderung Stadtrand und grünes Umland

Am Stadtrand und in den Bezirken kommen auch Orientierungsfragen dazu:

– wann ist der beste Zeitpunkt für einen Besuch eines Ortes?
– muss man einen Tisch vorbestellen?
– wann fährt der letzte Bus, die letzte Bahn?
– kann man zu jedem Zeitpunkt ein Fahrrad mitnehmen, oder besser vor Ort mieten?
– im grünen Umland kommen schließlich sichere Wege- und Tour-Empfehlungen dazu.

Nichts ist dabei ärgerlicher, als die Überfüllung von Zielorten, überraschende Schließzeiten, ausgebuchte Mitnahmekapazitäten für Fahrräder in der Regionalbahn – oder unangekündigte Sperrungen von Wegen. Auch Notruf-und Hilfe-Funktionen werden benötigt, etwa bei Fahrrad-Pannen, bei denen nicht gleich Polizei oder Feuerwehr benötigt werden.

Allgemeine Qualitätsfragen sind mit der Perspektive „Female Shift“ neu zu behandeln:

– kulinarische Qualität, vegane leichte Küche, alkoholfreie Getränke, kostenloses Wasser u.a.
– welche Hygiene-Standards werden in Hotels und Restaurants benötigt, müssen verbessert werden?
– wie sieht es dem Service bei mit Mitnahme von Kindern und Kinderwagen aus?
– ist das Personal speziell eingestimmt und geschult?
– ist man auf besondere kulturelle Unterschiede von internationalen Zielgruppen eingestellt?

Unter dem Blickwinkel „Fenale Shift“ im Tourismus werden plötzlich viele Qualitätsthemen zu Herausforderungen, innovativer zu werden. Auch Sicherheit, Schutz vor Belästigungen und lokale Anprechpartner in Konfliktfällen sind Themen, die neu bedacht werden müssen.

Schaut man sich derzeit im Internet um, so findet man dazu keine durchdachten und spezifischen und aktuellen Informationen. Vor allem muss über informelle, analoge und digitale Öffentlichkeit von Informationen neu nachgedacht werden.

Der Female-Gap im Berlin-Tourismus ist eine Marktlücke

Kultivierte Servicequalitäten und Sicherheit im Kulturtourismus für Frauen sind das Feld, das im Berlin-Tourismus mehr Aufmerksamkeit verdient. Es ist auch eine Marktlücke, die genutzt werden kann, um schrittweise mehr Qualität für alle Zielgruppen zu erarbeiten.

Das Ziel: selbstverständliche Informationen, bedarfsgerechte Serviceangebote im Kulturtourismus, im Shopping und im Tagungstourismus für Frauen in Berlin fördern und neue Ideen und Konzepte entwickeln, die schnell und nachhaltig umsetzbar sind.

Zuerst sind engagierte Frauen gefragt, die mithelfen, praktische Anforderungen und Wünsche zu formulieren. Weiter sind Hotels, Gastronomie. und Kulturbetriebe gefragt, eigene Angebote anzupassen. Aber auch Kommunikations-Designer, Internet-Entwickler und Mobilitätsanbieter sind gefragt.

Es soll ein Hauptstadt-Thema werden, das in allen Berliner Bezirken zur selbstverständlichen Initiative wird!

Weitere Informationen:

Ein offener Arbeitskreis wird eingeladen, der abwechselnd in Charlottenburg-Wilmersdorf, Pankow, Steglitz-Zehlendorf und Tempelhof-Schöneberg tagt. Ab März kommt auch Friedrichshain-Kreuzberg dazu.

Starttermin: 1.2.2018 um 18-20 Uhr
Thema: Female Shift auf Getränkekarten
Verkostung: „Indian Pale Ale – ein Frauenbier?“
Ort: Marienpark in Tempelhof-Schöneberg
Kostenbeitrag: 10 €

Kontakt und Anfragen über: info@kultureins.de

Kultureins startet in Kürze neu mit neuem Design!

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