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Herbstzeit in Grünanlagen und Parks

Herbstbild 2017 am Wulfila-Ufer

Die Herbstzeit ist angebrochen. Der nasse und kühle Sommer hat Bäume und Sträucher vor Trocknung verschont, das Blattgrün hält sich je nach Baumart und Gehölz länger als in trockenen Jahren. Doch die zunehmende Abkühlung sorgt nun für starken Laubfall.

Die Wetter-Kapriolen des Sommers haben offenbar den Biorhythmus von Pflanzen verändert. So konnte am 30.September eine überraschende Krokusblüte am Munsterdamm im benachbarten Bezirk Steglitz fotografiert werden.

Krokusblüte im Herbst
Krokusblüte im Herbst am Munsterdamm am 30.9.2017 – Foto: tsz

Die starken Septemberstürme haben über 56.000 Bäume in Berlin Wäldern, Parks und Grünanlagen umgestürzt dazu und viele abgebrochene Äste und Zweige herumgeweht. Viel Aufräumarbeit in Grünanlagen und Parks für Gärtner ist nötig, Arbeit die kaum zu zeitnah zu schaffen ist, sie müssen rund 10.000 umgefallene Bäume beseitigen und viele andere begutachten und sichern.

Die Aufräumarbeiten sind noch nicht bewältigt, schon kommt der nächste Auftrag.

Mitte Oktober kommt in den Grünanlagen und Parks die Zeit der Herbstpflege, mit Laubkehren und Laubabfuhr. Konturen zwischen Rasenflächen und Wegen verschwinden unter einer Laubschicht. Der Gehölzschnitt wird wohl später in den Winter verschoben werden. Die Laubbeseitigung geht vor.

Die Fall-Laubschicht bietet Kleintieren, Insekten in Pflanzflächen Unterschlupf und Schutz vor Kälte und Eiablage. Wenn Gärtner mit ihren Laubblasgeräten kommen, wird nicht nur aufgeräumt, sondern auch leider auch Artenvielfalt ausgeräumt.

Neues Nachdenken über Grünflächenpflege

Das Insektensterben ist ein Anlaß, über gärtnerische Routinen neu nachzudenken. Sollen Blätter auch über Winter liegen bleiben? Soll der Laubhaufen ein paar Tage liegen blieben, um den darin eingefangenen Insekten und Kleintieren Zeit zur Flucht zu lassen?

Auf naturhaften Flächen können Laubhaufen und Laubkompost auch an Ort und Stelle dem Naturkreislauf überlassen werden. Nur auf den Rasen- und Wegeflächen muss Laub entfernt werden, bevor es festbäckt und festfriert.
Die Frage muss gestellt werden: schrumpft mit der regelmässigen Laubabfuhr etwa auch Jahr um Jahr die Arten-Vielfalt? Sollen Gärtner ein Zwischenjahr innehalten, und der Natur eine gezielte Erholungspause schenken?

Naturschützer sind gegenüber Laubbläsern bedenklich eingestellt. „Da werden Tiere durch die Druckluft verletzt“, sagte etwa Berthold Langenhorst, Referent beim hessischen Nabu, „und es wird die wertvolle Humusschicht weggeblasen.“ Tatsächlich krabbeln aus den Laubhaufen noch tagelang Insekten, Marienkäfer und anderes Getier, das noch vor dem Abtransport dem jämmerlichen Tod durch Zerquetschen im Greifer, im LKW oder später in der Kompostanlage zu entgehen versucht.

Laubblasgerät im Einsatz
Laubblasgerät im Einsatz – Foto: m/s

Wegedecken: wegblasen inklusive!

Insbesondere Radfahrer haben für intakte Parkwege ein Gespür. Bei neuen Wegen aus Promenadengrant ist ein stetiges Knirschen der tragenden Gesteinskörner zu hören, die sich in den sandig-lehmigen Belag einarbeiten, wenn das Rad darüber rollt.

Die Tragschichten der „wassergebundenen Decken“ sind eine dynamische Angelegenheit. Der nächste Regen wäscht das Tragkorn frei, bis der nächste Radler kommt, und es wieder in die Sand-Lehm-Schicht eindrückt.

Doch was passiert, wenn der Gärtner das lose Tragkorn zusammen mit dem Laub vom Weg „wegbläst“? Fehlt das Tragkorn, sinkt das Rad ein, die Wegedecke wird uneben, es bilden sich Pfützen, die Tragschicht entmischt, und wird schadhaft.

In vielen Berliner Grünanlagen ist es zu sehen, es gibt Wege, in denen im Laufe von 10-20 Jahren die gesamte Tragschicht weggeblasen und weggeharkt wurde.

Radfahrer spüren dann das Spitzkorn der Drainageschichten, die Reifen quält, und den Fahrspaß zermürbt.

Die Laub-Lärmbläser blasen alles weg – sogar den Weg! Und unsere perfekte Zivilisation hat auch schon die Lösung bereit: Immer mehr Parkwege werden in Berlin asphaltiert!

Müssen Laubblasgeräte verboten werden? Ist die gute alte Laubharke schonender für Natur und Wegeflächen?

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m/s
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