Donnerstag, 19. Oktober 2017
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Mehr Honig im Bezirk

Honigvitrine in der Marienhöhe

/// Glosse /// – Die Bezirksverordnetenversammlung Tempelhof-Schöneberg von Berlin befasst sich auf Initiative der Parteien auch mit Themen, die nicht direkt und unmittelbar in kommunale Politik umsetzbar sind, die aber intensives „Verwaltungshandeln“ des Bezirksamtes und seiner Stadträte, Ämter und Service- und Organisationseinheiten auslösen.

Ein Thema wurde auf Antrag der Fraktion Bündnis 90/DIE GRÜNEN in die Mühle der Verwaltung eingebracht, das die einfache programmatische Überschrift trägt: „Mehr Honig im Bezirk“.

Es ist eines jener Themen, bei denen schon beim Thema und Ziel der Antragstellung nicht ganz klar ist, auf welcher rechtlichen Grundlage das Bezirksamt die Honigproduktion in Tempelhof-Schöneberg „ankurbeln“ soll.

Ob in Pankow, Charlottenburg-Wilmersdorf, Mitte oder eben Tempelhof-Schöneberg oder in anderen Bezirksverordnetenversammlungen sind derart „unbestimmmte Themen“ immer an der Sprachform erkennbar:

Antrag | Fraktion | Drucks. Nr: und Antragstext: „Die Bezirksverordnetenversammlung möge beschließen …“ und im Text: „Die Bezirksverordnetenversammlung ersucht das Bezirksamt zu prüfen …“.

Die Drucksache Nr: 0307/XX hat nach der Einreichung am 19.6.2017 schon eine zweite Beratungsfolge am 19.7.2017 erlebt. Die Fraktion DIE LINKE hat dabei eine Änderung durchgesetzt, die auch „private Friedhöfe“ einbezieht, gemeint sind dabei die im kirchlichen Besitz befindlichen Friedhöfe.

Damit das Bezirksamt den Prüfauftrag nicht verschleppt, wurde eine Berichtsfrist bis September 2017 gesetzt. Das Bezirksamt hat nun etwa zwei Monate Zeit, diesen Prüfauftrag zu lösen:

„Die Bezirksverordnetenversammlung ersucht das Bezirksamt zu prüfen, ob die Friedhöfe des Bezirks als Standorte für Bienenstöcke geeignet sind. Bei einem positiven Ergebnis dieses Prüfauftrages wird das Bezirksamt des Weiteren ersucht, entsprechende Standorte zu lokalisieren und über die entsprechenden Fachverbände ehrenamtliche Imker*innen von dieser Möglichkeit in Kenntnis zu setzen.“

Die Antragsbegründung hat es ins sich:
„Eine Ausweitung des Prüfantrags auf private Friedhöfe scheint sinnvoll, um auch den privaten Trägern (z.B. kirchliche Institutionen) die Möglichkeit zu geben, ihre eigenen Friedhofsflächen attraktiver zu gestalten.“

Bienen haben Konjunktur in der Großstadt

Gleich zwei Imkervereine kümmern sich als Freizeitvereine um Bienen und Honigproduktion und um den Naturschutz von Hummeln und Wildbienen. Der 1895 gegründete Imkerverein Berlin-Tempelhof e.V. hat nach eigenen Angaben rund 90 Mitglieder die bis zu 338 Bienenvölker betreuen. Der Imkerverein Lichtenrade e.V. betreut den Lehrbienenstand in der Naturschutzstation und hat zwischen 30 bis 40 Mitglieder. Betreut werden zwischen 120 bis 150 Bienenvölker. Dazu kommt noch das Imker-Projekt des Kunst Werk Stadt Berlin e.V. in Kooperation mit der Kleingartenkolonie POG, um das es etwas ruhig geworden ist.

Insgesamt gibt es in Tempelhof-Schöneberg rund 460 Bienenvölker, das bedeutet 1 Bienenvolk auf ca. 750 Einwohner.

Auf allen drei Kirchhöfen der Evangelische Zwölf-Apostel-Kirchengemeinde, dem Alten Zwölf-Apostel-Kirchhof, und dem Alte St.-Matthäus-Kirchhof sind Imker mit ihren Bienenstöcken aktiv. Die in Stadtrandlage befindlichen Friedhöfe wie in Marienfelde, Christusfriedhof und Heidefriedhof in Mariendorf werden von Bienen aus benachbarten Standorten angeflogen. Die Friedhof am Priesterweg hat regelmässig Bienenbesuch aus den benachbarten Kleingärten, ebenso wie der Friedhof Eythstraße.

Der Friedhof Stubenrauchstraße in Friedenau wird offenbar überwiegend von Bienen aus dem Nachbarbezirk Steglitz „betreut“.

Kleine Honigstatistik von Tempelhof-Schöneberg

Das Sammelgebiete eines Bienenvolkes erstreckt sich auf bis zu 50 Quadratkilometer. Für 500 Gramm Honig müssen Arbeitsbienen rund 40.000 mal ausfliegen, mit einer Flugstrecke von rund 120.000 km. Tempelhof-Schönberg wird mit seinen 53,09 Quadratkilometern Gesamtfläche somit rund 460 mal abgedeckt. Die ortsansässigen Bienenvölker könnten theoretisch auf einer Fläche von 23.000 Quadratkilometern als Bestäuber aktiv werden. Bei einem Ertrag von 20–30 kg Honig pro Jahr je Bienenvolk, könnten 9.200-13.800 Kilogramm Honig geerntet werden. Bei einem durchschnittlichen pro Kopf-Verzehr von 1,1 kg Honig pro Jahr, können somit zwischen ca. 9.000 und 13.000 Einwohner im Bezirk selbst versorgt werden (Quelle: statistische Angaben des Dt. Imkerbund, und eigene Berechnungen).

Honigbienen (Apis mellifera)
Honigbienen (Apis mellifera) in Makroperspektive – Foto: pixabay insekten

Der Prüfauftrag für das Bezirksamt Tempelhof-Schöneberg

Angesichts der relativ hohen Zahl von Imkern und Bienenvölkern im Bezirk, stellt sich nun die Frage, ob Bienenstöcke auf Friedhöfen zusätzlich angefordert werden können, da es sich um eine „ehrenamtlich“ ausgeübte Freizeitbeschäftigung geht. Die für das Grün und den Naturchutz zuständige Bezirksstadträtin Christiane Heiß muss nun ehrenamtlich tätige Akteure befragen lassen, um ihrem Prüfauftrag nachzukommen.

Natürlich kann man die Frage stellen, ob die Stadträtin im Bezirk Tempelhof-Schöneberg nicht auch bedeutend wichtigere Aufgaben zu bewältigen hat. Aber solche Fragen können in der BVV nicht von Stadträten und Stadträten gestellt werden, es wäre unschicklich. Nur die Opposition – oder eben eine Zeitung kann diese Frage aufwerfen.

Vor allem muss nach dem Sinn und „politischen Ziel“ des Antrags „Mehr Honig im Bezirk“ gefragt werden. „Was wollte die Fraktion Bündnis 90/Grüne wirklich erreichen?“ Leben wir nicht in einer Marktwirtschaft, in der die Nachfrage das Angebot bestimmt?

Mehr Honig im Bezirk durch mehr lokale Angebote?

Wenn die These stimmt, dass Angebot und Nachfrage die Honigmenge bestimmen, dann ist das Thema eigentlich besser in der Abteilung Wirtschaftsförderung bei Bürgermeisterin Angelika Schöttler aufgehoben. Die Abteilung Wirtschaftsförderung kann auch anhand der ausgegebenen Reisegewerbescheine für Honigverkäufer alle Imker inividuell ansprechen.

Der lokale Honigverkauf könnte zum Beispiel durch bessere Werbung und moderne Verkaufsmethoden wie etwa einen Online-Shop angekurbelt werden.

Wie es gehen könnte, zeigt ein Imker, der „Honig von der Marienhöhe“ verkauft. Er hat eine kleine Verkaufsvitrine in der Grünanlage aufgestellt und zeigt dort sein Angebot mit „Berliner Blütenhonig“. Ab Frühsommer gibt es „Frühlingshonig mit Robinie“ und danach folgt der Sommerhonig für 500g 5€. Ein Kontakt per E-Mail genügt, es zugleich die einfachste Art des Online-Verkaufs.

Weitere Informationen:

Kontakt zum Imker Marienhöher Weg: mhsagmeister@t-online.de

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