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Smarte Begegnungszonen der Zukunft

Begegnungszone Maaßenstraße

/// Glosse /// – Die Umgestaltung der Begegnungszone in der Maaßenstraße ist ein erstes wichtiges Experiment, auf dem Weg zur intelligenten und sozialen Stadt. Natürlich gab es Aufregung, Streit und jetzt auch erste Erfahrungen. Was geht – was nicht!

Die politische Mehrheit in der Bezirksverordnetenversammlung hat das Projekt vorangetrieben und beschlossen, doch die politischen Köpfe der „repräsentativen Demokratie“ sind sich unsicher, wie es künftig weiter gehen soll.
In unserer schnelllebigen Zeit droht Gefahr: wir können es niemanden für alle Zeiten recht machen! Schon nach wenigen Monaten können politische Mehrheiten kippen, und dann muss teuer umgebaut werden. Bagger kommen, Bauzäune und Verdruß, Protest und große Anstrengungen – für eine absehbar nur zeitweilige Befriedung.

Schöneberg zwischen Athenischer Demokratie und Seerepublik Venedig

Offensichtlich gibt es politische Grenzen für nachhaltigen Stadtumbau – zumal wenn in der repräsentativen Demokratie die gewählten Volksvertreter nicht weiter wissen, und es mit der Angst zu tun bekommen. Basisdemokratie hilft auch nicht weiter! Denn in Bürgerbeteiligungen engagieren sich nur aktive Betroffene und Eliten. Porschefahrer, SUV-Liebhaber, Radfahrende und wirtschaftlich betroffene Ladeninhaber bilden zufällige Mehrheiten und Pressure-Groups. Barrierefreiheit und Kindertauglichkeit können dabei unter die Räder kommen.
Ausgerechnet im Heimatbezirk des Regierenden Bürgermeisters Michael Müller probiert man nun etwas ganz „altes völlig neu aus“! Es ist das zukunftsweisende Konzept der „Demarchie„. 50 zufällig aus dem Melderegister ausgewählte Bürgerinnen und Bürger wurden ausgewählt, und sollen nun Ihre Ideen und Wünsche für die Neugestaltung der Maaßenstraße einbringen. Es gibt sogar eine Aufwandsentschädigung von 30 €.

Das ist ja wie im alten Athen, oder wie in der alten Seerepublik Venedig! Der alte Aristoteles feiert in Tempelhof-Schöneberg eine Wiederauferstehung: der griechische Philosoph in seinem Werk Politica: „Ich bin beispielsweise der Meinung, dass es als demokratisch anzusehen ist, wenn die Herrschenden durch das Los bestimmt werden, während Wahlen als oligarchisch betrachtet werden müssen.“

Kann man es jedem Recht machen? Was kostet das?

Die Zufalls-Bürgerinnen und Zufalls-Bürger müssen sich schon bald den Kopf zerbrechen, denn am 29.Mai 2018 findet die erste „Demarchie-Bürgerwerkstatt“ in Tempelhof-Schöneberg statt.

Damit es eine „kreative Explosion gibt“, kommen hier schon ein paar Ideen für die „intelligente und soziale Stadt, ein Konzept für eine „All-Wetter-immer-neu-Jedem-alles-richtig-machen“-BEGEGNUNGSZONE“!

Das tektonisch behäbige öffentliche Straßenland wird flexibel, es passt sich der Witterung, dem Verkehr und der vorwiegenden Nutzung tageweise an:

– An Logistiktagen ist die Straße eben und unmöbliert, Ladezonen sind markiert.

– am Kinderspieltag, werden Ladezonen zu Spielplätzen. LKW und Ladekran setzen Sandspielplatz-Palette und Spielgeräte ab.

– An 142 Regentagen im Jahr fahren kreisrunde Sitzgruppen mit Pavillon-Dach aus dem Boden heraus.

– Bei Sonnenschein fahren die Sitzgruppen ohne Schirm aus.

– An Einkaufs- und Markttagen gibt es große Parkplatz-Zonen für Lastenfahrräder und „Kiss- and Load-Zonen“ für Automobile mit Warteschlangen-Management..

Besonderes Augenmerk wird auf Smartphone-Nutzer (Smombies) gelegt. Statt eigener Spuren auf dem Gehsteig bekommen SmartPhone-Talker begehbare Kommunikations-Schächte. Die sind mit befahrbaren Gully-Deckeln ausgestattet. Eine Drehung des Gullydeckels, und der Schacht ist an Markttagen offen, ein Geländer fährt aus dem Erdboden heraus. Die Kollisions-Gefahr durch frei herumlaufende Smombies wird so endlich gebannt. Zugleich kann die Geltung der EU-Datenschutzgrundverordnung auch auf das Straßenland und menschliche Zuhörer ausgedehnt werden.

Auch das Abfallproblem wird gelöst: Abfallbehälter sind mit einer Hyperloop-Abfall-Rohrpost der BSR verbunden.

Elektro-Ladesäulen erhalten eine Sperrmüll-Taste mit Bedien-Display:
– Zerkleinern: Schredder-Schacht öffnet sich zum Hyperloop
– Abtransport: ein Robo-Sperrmülltaxi mit Ladekran holt ab
– Verschenken/Verkaufen: Ausdruck eines Werbe-Aufklebers.

Für Fahrrad-Parken werden kleine Tiefgaragen eingerichtet, damit die Drahtesel-Gebirge aus dem Straßenbild verschwinden und diebstahlsicher stehen.

Eine glasüberdachte Hunde-Auslauf-Rinne im Bürgersteig trennt Fußgänger und Hunde. Bei Starkregen dient die Rinne als Regenwasser-Puffer.

Wo bleiben Schönheit und Mode im Stadtbild?

Bei schönen Wetter und an Markttagen ergänzen mobile Schmink- und Frisierkabinen die Straßenmöblierung. Um gegen Amazon Fresh und den Online-Handel mitzuhalten, wird auf dem Markteine Einkaufs-Tüten-Sammelstation mit Kurierdienst eingerichtet, die Waren nach Haus liefert.

So gibt es eine erhebliche Feierabend-Verkehrsentlastung: man kann ohne Zeitverlust in „Theatergarderobe“ shoppen gehen, und sofort danach Clubs, Kino und Kulturveranstaltungen genießen!

… habe ich noch etwas vergessen? Bitte helfen Sie bei der Bürgerbeteiligung mit!

Sachdienliche Ideen und smarte Ergänzungen bitte an die Redaktion:
info@tempelhof-schoeneberg-zeitung.de

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