Von Amina Mendez
Zu Ostern leben heidnische und christliche Bräuche in ganz Deutschland wieder auf. Es ist eine Art, den Frühling zu begrüßen und sich auf die wärmere Jahreszeit einzustellen, die mit mehr Aktivität draußen und mit der Natur verbunden ist. Einer dieser Bräuche ist das Osterwasserholen. In vielen Orten von Sachsen sind jetzt die Marktbrunnen aufwändig und prachtvoll geschmückt.
Zum Brunnen oder zum nahe gelegenen Bach machen sich junge Frauen in der Nacht vom Karsamstag zum Ostersonntag auf, um Wasser zu holen. Schweigend müssen sie den Weg zurücklegen, damit der Zauber wirkt. Auch darf kein Wassertropfen verschüttet werden. Nur so entfaltet sich die magische Wirkung. Die Tradition besagt, dass das Wasser sie ein Jahr lang vor Krankheiten bewahrt, Schönheit schenkt und dazu ein langes Leben. Doch es ist nicht leicht, die Regeln unterwegs einzuhalten, denn oft begleiten junge Männer die Frauen beim Wasserholen und setzen alles daran, sie zum Sprechen zu bringen.
Das Osterwasserholen hat eine lange Tradition. Es geht auf altheidnische Bräuche zurück und hat seinen Ursprung im Volksglauben. Das Wasser gilt als Symbol des Lebens, es wird mit Fruchtbarkeit in Verbindung gebracht und ist elementarer Bestandteil des Lebens. Ebenso verhält es sich mit dem Ei. In christlicher Hinsicht ist es auch ein Symbol für die Auferstehung, wobei die Schale mit dem Grab und das Innere für das Erwachen des Lebens steht.
Osterkrone aus 6000 kunstvollen Eiern
Schöne Osterbrunnen kann man dieses Jahr zum Beispiel in Oberwiesenthal und in Annaberg-Buchholz besichtigen. Der Barbara-Uthmann-Brunnen auf dem zentralen Marktplatz der Innenstadt erstrahlt zur Zeit in einem bunt leuchtenden Meer von kunstvoll verzierten Ostereiern. 6000 aufwändig dekorierte Eier wurden für das Osterfest zu einer riesigen Krone zusammengestellt. Schulen , Kitas, Vereine, Unternehmen und Bürger arbeiteten gemeinsam an der österlichen Gestaltung ihres Brunnens.
In vielen Orten in Sachsen kann man jetzt Osterkronen und Osterbrunnen bestaunen. Besonders im Erzgebirge ist der Brauch lebendig. Die ganze Region um die Greifensteine ist eine Hochburg der Osterbrunnen. Den Rekord schlägt wohl Großpösna, südöstlich von Leipzig, dort werden traditionell rund 15.000 Ostereier für die Dekoration verarbeitet.

Achtung! – Die bunten Bälle kommen
Ein besonders bei Kindern beliebter Osterbrauch ist das Ostereierschieben. In Bautzen werden schon seit 400 Jahren Ostereier vom Protschenberg heruntergerollt. Das „Waleiern“, wie man es dort nennt, hatte einmal einen wohltätigen Hintergrund. Dem Brauch zufolge rollten Kinder wohlhabender Eltern hartgekochte Eier, Nüsse und Orangen den Berg hinunter. Kinder aus ärmeren Familien warteten am Fuß des Berges und fingen die Gaben auf.
Beim „Eiertrullern“, einer Variante des Ostereierschiebens, stand das sportliche Ereignis im Vordergrund. Kinder ließen bunte Eier den Hang herunterrollen. Eier die Strecke heil überstanden und dabei am Weitesten rollten, konnten den Sieg erringen.
Heute ist das Waleiern in Bautzen ein touristisches Ereignis geworden. Der „Eierjokel“ moderiert die Show in zerrissenen Kleidern. Er feuert die Teilnehmer an und sorgt für Stimmung bei den Zuschauern. Anstelle von richtigen Eiern rollen heute bunte Plastikbälle den Hang hinunter. Sie können später gegen Preise eingetauscht werden.
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