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Karstadt schließt Standort Tempelhofer Damm

KARSTADT Berlin Tempelhof

Der Sanierungskurs und die teilweise relativ erfolgreiche Restrukturierung von Galeria Karstadt Kaufhof ist endgültig gescheitert. Im Wettbewerb mit dem wachsenden Online-Handel hatte der Einzelhandelsexperte Stephan Fanderl als Vorstandsvorsitzender von Galeria Kaufhof noch das Unmögliche geschafft: durch harte Sparmaßnahmen machte Karstadt zumindest ab 2017 nach Jahren der roten Zahlen vorübergehend wieder einen kleinen Gewinn. Doch die Fusion von Karstadt und Galeria Kaufhof erwies sich als zu langwierig. Mit der Corona-Pandemie kaum nun der große Umsatzeinbruch, der den Konzern unter das Schutzschirmverfahren zwang.

Im Juni 2018 feierte Konzern-Chef Fanderl noch die Grundsteinlegung für ein neues Karstadt-Haus in Berlin-Tegel. Doch intern kam es zum Streit, Fanderl verließ den Konzern Anfang Juni. Der Insolvenzplan wurde schon vom eingesetzten Generalbevollmächtigte Arndt Geiwitz und Sachwalter Frank Kebekus ausgearbeitet.

Bundesweit werden nun 62 der 172 Standorte geschlossen. Auch das traditionelle Karstadt am Tempelhofer Damm wird geschlossen. Damit gehört die Filiale zu den sieben in Berlin betroffenen Standorten. Karstadt Wilmersdorfer Straße, Gropiuspassagen, Ringcenter, Müllerstraße, Hohenschönhausen werden geschlossen. Der Neubau in Alt-Tegel wird nicht eröffnet werden.

Politik und Wirtschaft sind alarmiert

Die Wirtschaftsförderung in Tempelhof-Schöneberg ist schon seit Wochen besorgt. Sichtbare Zeichen des Corona-Lockdowns mehren sich im Berliner Stadtbild. Die Schließung von Karstadt bedeutet den Verlust der wichtigen Zentrenfunktion am Tempelhofer Damm.

Bezirksbürgermeisterin Angelika Schöttler hat schon mit einer ganzen Reihe von Beteiligten gesprochen. Dazu gehörten Gespräche mit Beschäftigten und dem Betriebsrat, ferner Nils-Busch-Petersen vom Handelsverband Berlin Brandenburg e.V. und dem Bezirksbürgermeister Reinhard Naumann aus dem Nachbarbezirk Charlottenburg-Wilmersdorf; sowie Tobias Mette von der Unternehmerinitiative TeDamm e.V. .

Bezirksbürgermeisterin Angelika Schöttler:
„Jetzt ist es wichtig, möglichst schnell Lösungen für die Beschäftigten zu finden. Dazu werde ich in der kommenden Woche auch mit der Beschäftigtenvertretung der Tempelhofer Filiale Gespräche führen. Selbstverständlich finden diese auch auf Landesebene statt. Für den Tempelhofer Damm ist es eine schwierige Situation. Die Karstadt Filialen bilden in allen Geschäftsstraßen wichtige ‚Ankerfunktionen‘. Sie stabilisieren den umliegenden Einzelhandel und die Gastronomie. Wir müssen auch hierfür schnell nach Lösungen suchen, damit die Auswirkungen abgemildert werden. Die Unternehmerinitiative Tempelhofer Damm wird dabei eine wichtige Rolle spielen.“

GALERIA Karstadt Berlin Spandau offenbar stabil

In Berlin-Spandau darf man nun wohl aufatmen. Hier ist die Neupositionierung der Altstadt Spandau mit integrierten Einsatz von Altstadt Management, Partner für Spandau e.V. und dem Tourismusmarketing schon gut gelungen.

Galeria Karstadt Spandau hat zudem eine sternförmige Magnetwirkung, mit weiten ÖPNV-Netzen, und zieht über den Regionalverkehr auch viele Pendler und Kunden aus Brandenburg an.

Die in Berlin vor der Schließung stehenden Standorte von GALERIA Karstadt Kaufhof sind in ihren städtischen Einkaufslagen dagegen vorwiegend auf standortgebundene Kundenpotentiale beschränkt. Im Wettbewerb mit den 66 großen Einkaufs-Centern und ihrem Angebotsmix konnten keine ausreichenden Synergien für die Kunden aufgebaut werden.
Der Traum von Flaniermeilen dürfte auch ausgeträumt sein, weil heute digitale Handelssysteme, DTC-Marken* und „Kuriermeilen“ zählen.

Auch Geschäftstraßen-Gemeinschaften als „Vereine ohne wirtschaftlichen Geschäftsbetrieb“ geraten damit in die Kritik, weil sie weder Kundenfrequenzen steigern, noch Handelsvorteile hervorbringen. Wenn jedes „Device“ zum Ladengeschäft wird, ist stationärer Handel passé.

*DTC = Direkt-to-Consumer-Marken

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