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„Masterplan-Amphibienschutz“ in Tempelhof-Schöneberg

Laubfrosch - Hyla arborea

Das Umwelt- und Naturschutzamt hat in den letzten Jahren regelmäßig eine Erfassung des Amphibienbestandes für insgesamt 27 Kleingewässer durchgeführt. Aktuelle Untersuchungsergebnisse wurden 2020 von den Stadtnaturrangern vorgelegt.

Im Bezirk Tempelhof-Schöneberg kommen acht Amphibienarten vor. Häufige Nachweise gibt es für Teichfrosch, Grasfrosch, Erdkröte und Teichmolch. In einigen Gewässern wurden Moorfrosch, Wechselkörte, Knoblauchkröte und Kammmolch nachgewiesen.

Von den in Tempelhof-Schöneberg nachgewiesenen Amphibienarten sind nach der Roten Liste Berlins (2017) der Kammmolch, die Knoblauchkröte, die Wechselkröte, der Moorfrosch und der Grasfrosch gefährdet bzw. stark gefährdet. Die Ergebnisse der Kartierungen sowie eine Verbreitungskarte sind auf der Internetseite des Umwelt- und Naturschutzamtes veröffentlicht.

Die Amphibienbestände sind vielfältigen Gefährdungen ausgesetzt. Problematisch ist vor allem die anhaltende Trockenheit, die dazu führt, dass wichtige Laichgewässer zumindest temporär austrocknen. Zu nennen sind aber auch der Verlust von Landlebensräumen, Fischbesatz in Gewässern sowie Störungen durch Haustiere, zunehmend aber auch durch invasive Arten wie den Waschbären.

Zur Sicherung und Entwicklung des Amphibienbestandes wird das Umwelt- und Naturschutzamt einen „Masterplan Amphibienschutz“ erarbeiten lassen. Hierzu sollen für ausgewählte Gewässer konkrete Vorschläge für amphibiengerechte Pflege- und Entwicklungsmaßnahmen sowie konkrete Vorgaben zur Regulierung der Wasserstände erarbeitet werden. Ergebnisse werden voraussichtlich im Sommer 2021 vorliegen.

Was gehört in einen „Masterplan-Amphibienschutz“ hinein?
In Tempelhof-Schöneberg gibt es zwei Zuständigkeiten für den Amphibienschutz:
Stadträtin Christiane Heiß (Bündnis 90/Grüne) ist für das Amphibien-Futter und die -Verstecke zuständig. Das Management der Mähkolonnen und der Einsatz von Laubblasgeräten entscheiden über das Wohl und Wehe von Futterinsekten und Überwinterungsmöglichkeiten im Unterholz der Grünanlagen.

Stadtrat Oliver Schworck (SPD) ist „ohne Zugriff“ auf große Grünflächen und ist für ausgewiesene Naturschutz- und Landschaftsschutzflächen zuständig.

Die Amphibien in Tempelhof-Schöneberg müssen nun auf Biotop-Verbundkonzepte, naturnahe und extensive Grünflächenpflege und jahreszeitliche Grünpflege-Maßnahmen vertrauen, die im Dialog zweier unterschiedlicher Behördenzuständigkeiten entwickelt werden.

Traktor, Mähgerät & Aufnehmer im Einsatz
Dorfaue Alt-Lankwitz im trockenen Sommer 2018: Mähkolonne mit Traktor, Mähgerät und Aufnehmer im Einsatz – Foto: stz

Der Einsatz von Mähhäckslern mit Aufnehmern führt unweigerlich zum Massentod von Insekten und Kleintieren, die Pflanzen bestäuben und Amphibien ernähren. Blühpflanzen werden schon vor dem Samenfall entsorgt und können sich nicht generativ vermehren. Die Laubbeseitigung im Herbst zerstört auch Nischen für die Überwinterung von Amphibien.
Millarden Lebewesen werden geschreddert und landen im Kompost.
Extensive Grünflächenpflege sorgt für mehr Artenvielfalt: beendet wird das flächendeckende Mähen. Wiesensäume lässt man aufwachsen, bevor sie einschürig im Herbst mit dem Mähbalken schonend abgemäht werden. Laub wird besser mit Harken und mechanischen Geräten gekehrt.
Die Myriaden von Insekten, Mulch und zersetzenden Bakterien und Bodenbakterien bilden auf Wiesen ein schützendes Ökosystem, das auch Staub, Feinstaub, Bakterien und Viren bindet.

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