Samstag, 25. Mai 2024
Home > Aktuell > Schrumpfende Ökobilanz im Volkspark Mariendorf

Schrumpfende Ökobilanz im Volkspark Mariendorf

Sumpfgarten im Volkspark Mariendorf

Im Sumpfgarten des Volkspark Mariendorf wurde im Februar der 1. gärtnerische Rückschnitt des Wildwuchses durchgeführt. Ziel der landschaftsgärtrnerischen Eingriffe war es, die solitären Großbäume vom Unterwuchs zu befreien und die räumlichen Qualitäten wiedererkennbar zu machen.

Die Rodungsarbeiten sind ein erster landschaftsgärtnerischer Eingriff, um diesen Parkbereich wieder in einen Zustand zu versetzen, der dem Gartendenkmal entspricht.

Parkbesucher erkennen die baulichen Mängel sofort, vor allem bei auftauenden Boden: die Wege sind kaumm betretbar, und die Schuhsohle versinken im „Sumpf“ und „Schlamm,“ bis die Wege wieder abtrocknen.

Der dichten und wilden Aufwuchs in der Strauchschicht wurde inzwischen entfernt. Auch der eingewanderte Aufwuchs des Japanischen Staudenknöterichs wurde weitgehend entfernt. Leider ist das eine Sysiphosarbeit, den im Boden verbliebene Wurzelreste treiben bald wieder aus.

Geplant ist, ab 2024 die Wege zu erneuern, eine barrierefreie Erschließung zu sichern. Die Sitzmauern und die Einfassungen werden dann erneuert. Der Sumpfgarten wird dann auch durch Neupflanzungen ergänzt, um den historischen Charakter als Gartendenkmal wieder entstehen zu lassen.

Roden & sägen – Ökobilanz des Volkspark Mariendorf schrumpft

Die Rodungsarbeiten entnehmen den standorttypischen Wildwuchs, der üblicherweise als gärtnerische Pflegemaßnahme durchgeführt, um ein geordnetes Bild des Volksparks herzustellen. Wir die Pflege mehrjährig nur sparsam oder zögerlich ausgeführt, müssen nicht nur krautartige Pflanzen, sondern auch Schößlinge und neu angewachsende Bäumchen entfernt werden.

Die Biomasse wird in Berlin weitgehend über Kompostierung wieder in den Naturkreislauf zurück geführt. Dabei wird der gebundene Kohlenstoff weitgehend als CO2 in die Atmossphäre freigesetzt. In der Bilanz bindet der nachwachsene Aufwuchs jedoch wieder CO2 und bindet es in seiner Biomasse. Der Kohlenstoff-Kreislauf ist daher auf Dauer auch bei intensiver gärtnerischer Pflege weitgehend ausgeglichen. Wachsen Bäume gesund auf, wird im Volkspark sogar CO2 neu gebunden – der Park wirkt damit klimastabilisieren.

Doch in unmittelbarer Nähe ist der Hangbereich des Sumpfgartens zu sehen. Hier bietet sich ein ganz anderes, fatales Bild, das in ähnlicher Form in fast allen Berliner Parkanlagen zu sehen ist.

Volkspark Mariendorf: wachsende Anzahlen von Baumstümpfen künden vom Klimawandel - Foto: tsz
Volkspark Mariendorf: wachsende Anzahlen von Baumstümpfen künden vom Klimawandel – Foto: tsz

In den Rasenflächen und Pflanzflächen sind immer mehr Baumstümpfe von gefällten Bäume zu sehen. Viele Bäume wurden in den letzten Dürrejahren gefällt, oft nur hörbar beim Sägen in der Nachbarschaft, und von den Grünflächenämtern weitgehend verschwiegen.

Es werden nur Stückzahlen in den Baumlisten aktualisiert – die Gesamtzahl der in Parks, Grünanlagen und Volksparks in Berlin gefällten Bäume ist bisher nicht in der Gesamtheit presseöffentlich bilanziert — ein strategisches Versagen in der Berliner Grünpolitik!

Wie stark die Ökobilanz und die CO2-Bilanz der Berliner Grünanlagen und Volksparks schrumpft, ist noch nicht bekannt. Inzwischen sorgen die Dürrefolgen auch für ein großes Dilemma bei der Baum- und Parkpflege: es sind zu große Flächen, um eine künstliche Bewässerung umzusetzen.

Ferner werden auch Bäume gefällt, die zuviel Wasser benötigen, und anderen, älteren und wertvollen Bäume Wasserkonkurrenz bereiten. — Vor allem Birken fallen aus diesem Grund immer mehr der Motorsäge zum Opfer, um etwa Buchen und Eichen zu schützen. — Es hat Folgen für das gesamte Land Berlin!
— Denn die Bürgerinnen und Bürger sind aktuell zu einem Volksbegehren „Klima-Neutralität“ aufgerufen, und können gar nicht wissen, ob sich „Klimaneutralität“ wenigstens im öffentlichen Grün, in Parks und Volksparks erreichen lässt! —

Kontakt:info@tempelhof-schoeneberg-zeitung.de | Public Open Innovation: „Ökologische Baumbilanz“