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Bahnhof Südkreuz wird Testfeld für Videoanalyse-Technik

Ringbahnhalle Bahnhof Südkreuz

Der Bahnhof Südkreuz ist als Zukunftsbahnhof Testfeld für viele innovative Technologien, die in den Bereichen neue Mobilität, Energiewende und Informationstechnik im Bahnhofsumfeld erprobt werden.

Auch die Bundespolizei arbeitet hier mit der Deutsche Bahn AG (DB) zusammen und erprobt neue Video-Analyse-Techniken. Das erste Projekt zur Gesichtserkennung wurde 2018 durchgeführt, mit problematischen Ergebnissen( siehe: Abschlussbericht des Bundespolizeipräsidiums zur biometrischen Gesichtserkennung (Erprobung von Systemen zur intelligenten Videoanalyse | 11.10.2018 ). Der Chaos Computer Club hat das Ergebnis als „Debakel am Südkreuz“ charakterisiert. Die Hauptkritik: Die Falscherkennungsrate ist zu hoch. Es würde ein hoher Aufwand entstehen, falsch identifizierte Personen auszusortieren.

Zweites Teilprojekt des Tests intelligenter Videoanalyse-Technik

Am 18. Juni 2019 beginnt das zweite Teilprojekt des Tests intelligenter Videoanalyse-Technik durch die Deutsche Bahn AG (DB) und die Bundespolizei. Unter der Federführung der DB wird das automatisierte Erkennen von bestimmten Situationen, die die Qualität, Zuverlässigkeit und Sicherheit des Bahnbetriebs beeinträchtigen können, getestet. Zentrales Ziel der DB ist es dabei, durch innovative Technologien die Zuverlässigkeit und Pünktlichkeit des Bahnbetriebs zu steigern und Beeinträchtigungen zu Lasten der Reisenden und Bahnhofsbesucher zu reduzieren. Für die Bundespolizei steht die effektivere Gefahrenabwehr auf dem Gebiet der Bahnanlagen der Eisenbahn des Bundes und die daraus resultierenden möglichen Sicherheitsgewinne im Vordergrund.

Die zu testende Software soll die nachfolgenden Situationen erkennen:

– Liegende Personen, z. B. gestürzte Personen, die medizinische Hilfe benötigen

– Betreten definierter Bereiche/Zonen, z. B. Objektschutz von Baustellen im Bahnhof oder Schließfachüberwachung

– Personenströme/Ansammlungen, z. B. Visualisieren von Ansammlungen vor Fahrtreppen oder schnelle Bewegungen von Personengruppen

– Personenzählung, z. B. Anzahl von Personen, die sich in einem festgelegten Bereich aufhalten.

– Abgestellte Gegenstände, z. B. Gepäckstücke, die sich über einen längeren Zeitraum herrenlos am gleichen Ort befinden

– Nachvollziehen der Positionen von Personen/Gegenständen, z. B. um Zuordnungen von herrenlosen Gepäckstücken gewährleisten zu können (ausschließlich Bundespolizei, kein Datenzugriff durch DB)

– Retrograde Auswertung von Videodaten der zuvor genannten Szenarien, um später auswerten zu können, wie Gefahrensituationen entstanden sind (ausschließlich Bundespolizei, kein Datenzugriff durch DB)

Bei der Auswahl der Testszenarien hat sich die DB an typischen Situationen im Bahnhof orientiert, die in der Vergangenheit zu Verzögerungen und Qualitätseinschränkungen im Bahnbetrieb oder zu polizeilichen Einsätzen geführt haben. Es ist geplant, an jeweils zwei Testtagen pro Woche, verschiedene der Szenarien mittels der intelligenten Videotechnik erkennen zu lassen. Die Situationen werden durch eigens hierfür eingesetzte Darsteller nach einem definierten Ablauf („Drehbuch“) dargestellt. Die Software soll auf diese Situationen automatisiert hinweisen.

Test intelligenter Videoanalyse-Technik
Test intelligenter Videoanalyse-Technik im Bahnhof Südkreuz – Grafik: Bundespolizei

Test im laufenden Betrieb des Bahnhofs

Die Testierung erfolgt parallel zum Realbetrieb ohne Einbindung in bestehende Prozesse. In einem möglichen späteren Praxiseinsatz würden die Systeme beim Erkennen einer relevanten Situation die Mitarbeiter der Leitstellen der DB sowie der Bundespolizei visuell oder akustisch aufmerksam machen. Mitarbeiter der DB oder Beamte der Bundespolizei könnten in der Folge schneller entscheiden, welche Maßnahmen einzuleiten sind. Die Technik könnte die Mitarbeiter also gezielt unterstützen. Über das reine Erkennen einer definierten Situation hinaus ist die Differenzierung zu ähnlichen Situationen, die keine Relevanz für den Bahnbetrieb oder der Sicherheit der Bahnreisenden haben, von wesentlicher Bedeutung. Ziel ist es, dass Meldungen nur bei Erkennen der vorher definierten Situation ausgelöst werden.

Datenschutz wird durch Datenschutzaufsichtsbehörden überwacht

Der Test findet unter strengen datenschutzrechtlichen Vorgaben der zuständigen Datenschutzaufsichtsbehörden statt. Die zuständigen Stellen waren bereits in der Vorbereitung des Tests umfassend beteiligt. Eine Speicherung von personenbezogenen Daten durch die DB findet nicht statt. Der Zugriff auf die Videoaufzeichnungen bleibt wie bisher der Bundespolizei vorbehalten. Ein Abgleich personenbezogener Daten oder der Einsatz von Technik zur Gesichtserkennung erfolgt nicht.

Der Test ist bis Ende 2019 geplant. Folgende Firmen stellen Software für den Test bereit:

IBM Deutschland GmbH
Hitachi Consortium composed by Hitachi, Conef, MIG
Funkwerk video systeme GmbH und G2K Group GmbH.

Quelle: Pressemitteilung Bundespolizei | 07.06.2019

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m/s
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