Donnerstag, 09. Juli 2026
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Viktoria-Luise-Platz feiert heute Geburtstag

Springbrunnen mit Fontäne am Victoria-Luise-Platz in Schöneberg

Von Amina Mendez

Am 9. Juli 2026 feiert der Viktoria-Luise-Platz seinen 126. Geburtstag. Genau 126 Jahre zuvor, im Jahr 1900 wurde der Stadtplatz im Bayrischen Viertel von Schöneberg mit einem großen Fest eingeweiht.

Der Platz und die umliegenden Straßen wurden zu diesem Ereignis auf besondere Weise illuminiert. Eine elektrische Kraftstation sorgte am Abend für die Beleuchtung. Der Springbrunnen war schon aus der Ferne zu sehen. Während der benachbarte Stadtbereich nur mit schwachen Gaslaternen beleuchtet wurde. Die Freude über den Platz im Viertel war bei den Anwohnern und Besuchern sehr groß.

Auf einer Informationstafel an der Ostseite des Park kann man die Erinnerungen von Georg Haberland nachlesen:

„Das war eines der schönsten Feste, das die Berlinische Boden-Gesellschaft veranstaltet hat. Während des Essens in einem benachbarten Restaurant wurde der Platz mit mehreren tausend elektrischen Lämpchen festlich illuminiert. Der benachbarte Stadtteil hatte noch schlechte Gasbeleuchtung. Wir hatten eine eigene kleine Kraftstation errichtet, mit der wir den Platz und die neuen Straßen elektrisch beleuchteten. Auf dem Platz selbst war ein Springbrunnen gebaut, des abends als ‚fontaine lumineuse‘ weithin sichtbar erstrahlte.
Um die Mitternachtsstunde wurde die Absperrung durchbrochen und namentlich die weibliche Jugend mischte sich unter die Gäste. Ich sehe heute noch den alten Ludwig Pietsch vor mir, auf jedem Knie ein lachendes Mädchen. Um 12 ½ ließ ich das Licht ausschalten, damit die Stimmung nicht allzu vergnügt wurde.“

Gründe für die Entstehung

Georg Haberland war Hauptgesellschafter der Berlinische Boden-Gesellschaft (BBG). Sie hatte den Bau des Viktoria-Luise-Platzes durch die Ausschreibung eines Wettbewerbs initiiert.
Die Wahl für „Platz Z“, wie er anfangs hieß, fiel auf den Entwurf von Gartenarchitekt Fritz Encke aus Potsdam. Später benannte Kaiser Wilhelm II den Platz Z nach seiner einzigen Tochter in Viktoria-Luise-Platz um.

Durch den Bevölkerungszuwachs um die Jahrhundertwende nahm die Bebauung der noch sehr ländlichen Gegend stark zu. Grundstückspreise explodierten und deren Besitzer wurden von einem Tag zum Nächsten reich. Georg Haberland wollte für die Bewohner einen besonderen Lebensraum schaffen. Ihm schwebte, „Klein-Nürnberg“ vor, ein Stadtviertel im bayerischen Stil. Bis heute hat sich der Name des Stadtviertels erhalten, der Viktoria-Luise-Platz ist Teil davon.

Besucher an den Kolonnaden mit Aussicht auf den Victoria-Luise-Platz
Besucher an den Kolonaden mit Aussicht auf den Victoria-Luise-Platz – Foto: © M. Springer, Tempelhof-Schöneberg Zeitung

Leben heute am Viktoria-Luise-Platz

Heute ist der Platz ein lebendiger Ort und Treffpunkt für täglich zahlreiche Menschen. Es sind Anwohner, die den Platz wie ein Wohnzimmer nutzen: Sitzen, Flanieren, Spielen und Liegen im Gras. Und Touristen, die hier Fotomotive suchen und finden.
Der Springbrunnen, zentraler Platz des Parks, bringt mit seinem Rauschen eine einmalige Atmosphäre an den Ort. Die Fontäne reicht sieben bis acht Meter hoch und ist schon von Ferne sichtbar und weithin hörbar. Sechs Straßen treffen sternförmig in unterschiedlichen Winkeln auf den Viktoria-Luise-Platz und machen ihn zu einem urbanen Kraftort der besonderen Art.

Bei schönem Wetter ist der Platz sehr belebt. Menschen aller Generationen tummeln sich auf dem Platz. Von Müttern mit kleinen Kindern bis zu Ruhe suchenden Senioren finden hier viele einen Ort des kleinen Glücks. Die Parkbänke sind stets besetzt, besonders die schattigen Plätze unter den Bäumen sind sehr beliebt. Im Sommer sieht man viele Besucher mit Eistütchen im Park sitzen. Gleich zwei Eisdielen befinden sich am Beginn zweier Stichstraßen. Bei heißem Wetter bilden sich Schlangen davor, das Eis ist sehr beliebt.

Im Park herrscht eine ungezwungene Atmosphäre. Man geht seinen Beschäftigungen und Gesprächen nach. Es gibt Fotosessions, Freunde, die vertieft im Gespräch sind, Paare, die still nebeneinander sitzen, Ältere, die die Umgebung beobachten und Kinder, die am Wasser spielen – oder einfach Menschen, die entspannt im Gras liegen.

Den Springbrunnen umgibt ein breiter Fußweg. Spaziergänger kommen ganz nah mit der erfrischenden Kühle des Wassernebels in Berührung. Kinder können ihre Füße ins Becken baumeln lassen.

Hinter dem kreisförmigen Weg erstreckt sich ein breiter Grünstreifen. Er ist mit Rasenflächen gestaltet, mit farbenfrohen Blumenrabatten und in Form gestutzten Büschen.

Ein Platz der Stabilität im Wandel ausdrückt

Am Außenrand erheben sich an einigen Stellen Kolonnaden im spätbarocken Stil. Sie sind repräsentativer Teil des Schmuckplatzes. Diese Gestaltungsform war zum Ende des 19. Jahrhunderts sehr beliebt. Die Abgrenzung des Parks durch säumende Bäume zeigte den innovativen Geist von Fritz Encke. Sie dienten zur Abschirmung der umgebenden Straßen und sollten den Besuchern einen Ort der Ruhe und Erholung bieten. Als Vertreter einer Reformbewegung wollte Fritz Encke die großstädtische Wohnqualität durch „soziales Grün“ verbessern.

Diese Idee lässt Parallelen zu heutigen Vorstellungen ziehen. Resilienz und Klimaverbesserung für Menschen in der Großstadt sind aktuelle Themen im Städtebau und lassen über neue Formen der Begrünung der Stadt nachdenken. Viele Gartenarchitekten, Städtebauer und Politiker machen sich Gedanken, wie man bei steigenden Temperaturen im Sommer eine Erhöhung der Lebensqualität ermöglichen kann. Der Viktoria-Luise-Platz schafft mit seiner Baumkulisse zum stadtklimatischen Ausgleich bei und bietet an Hitzetagen mit der großen Fontäne einen kühlenden Kontrapunkt.

Der Viktoria-Luise-Platz hat mehr als ein ganzes Jahrhundert überdauert und den Menschen vieler Generationen Lebenskraft geschenkt. Einige Schicksalsschläge, wie den Zweiten Weltkrieg, hat er überdauert. Vier von sechs zerstörten Gebäuden, die den Park umgeben, wurden wieder aufgebaut.

Auch heute noch ist der Viktoria-Luise-Platz harmonisch gestaltet, gelungen restauriert und denkmalgeschützt. Für Touristen ist der Platz eine sehenswerte Berliner Attraktion. Abseits der Hauptsehenswürdigkeiten Berlins vermittelt er einen Eindruck vom innerstädtischen Leben in einem der beliebtesten Viertel von ganz Berlin.

U-Bahn Station Victoria-Luise-Platz
U-Bahn Station Victoria-Luise-Platz – Foto: © M. Springer, Tempelhof-Schöneberg Zeitung

Am Samstag ab 14 Uhr und sonntags kann man in der Parkzone bereits kostenlos parken. Wer lieber mit der U-Bahn fährt, erreicht die Haltestelle U Viktoria-Luise-Platz mit der U-Bahnlinie U4.

Weitere Informationen:

www.viktorialuiseplatz.de
www.gedenktafeln-in-berlin.de/gedenktafeln/detail/viktoria-luise-platz

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