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Kooperiert der Handelsverband mit einer kaputten Suchmaschine?

Google speichert alles, was nicht gelöscht wurde - Grafik: Google-Logo

Von Michael Springer

Mit der Initiative „Zukunft Handel“ haben der Handelsverband Deutschland und Google ein „breit angelegtes Digitalisierungsprogramm für den deutschen Einzelhandel“ gestartet.
Ein Ziel der Initiative ist es die Folgen der Coronakrise zu bewältigen:

„Die Coronakrise trifft den Einzelhandel, die drittgrößte Branche in Deutschland, besonders hart. Die Existenz von bis zu 50.000 Geschäften ist bedroht, auch weil viele Handelsbetriebe mangels Ressourcen bisher nur wenig digitalisiert sind. Besonders leiden darunter die deutschen Innenstädte. Vor diesem Hintergrund bündeln der Handelsverband Deutschland (HDE) und Google sowie zahlreiche weitere Partner ihre Kräfte, um ein breit angelegtes Digitalisierungsprogramm für den Einzelhandel anzubieten: die Initiative ZukunftHandel. Ein Paket aus Instrumenten und Trainings, das die teilnehmenden Unternehmen Schritt für Schritt vom klassischen Ladengeschäft (Offline) hin zu einem hybriden Betrieb (offline und online) begleitet. Zielsetzung ist außerdem, das stationäre Geschäft mithilfe von Online-Tools zu stärken und zukunftsfähig zu machen.“

Über 250.000 Einzelhandelsbetriebe wurden postalisch über die Initiative und Teilnahmemöglichkeiten informiert. Google hat dazu eine Zukunftswerkstatt eröffnet, die sinnigerweise den Namen „grow.google“ trägt. Fotos von glücklichen Einzelhändler_innen laden zum Mitmachen ein. Google will dabei vor allem sein eigenes Geschäft vergrößern:

„Googles Mission ist es, die Informationen der Welt zu organisieren und sie allgemein zugänglich und nützlich zu machen. Durch Produkte und Plattformen wie Search, Maps, Gmail, Android, Google Play, Chrome und YouTube spielt Google eine wichtige Rolle im täglichen Leben von Milliarden von Menschen und ist zu einem der bekanntesten Unternehmen der Welt geworden.“
Doch die Suchmaschine Google, inzwischen eine Tochtergesellschaft der Alphabet Inc., funktioniert im modernen Medienmix einer Metropole wie Berlin nicht mehr so, wie einst erträumt.

Googles Geschäftsmodell wichtiger als Suchergebnisse?
Eine ernste Warnung kommt vom SEO-Guru Rand Fishkin, der kürzlich feststellte, dass zwei Drittel aller Suchanfragen gar keinen Klick auf eine Website auslösen! Fiskin gilt als einer der weltweit führenden Experten für Google-SEO. Seine neuen Datenanalysen sind richtige „BIG NEWS“ im Big-Data Geschäft:

  • 65 Prozent aller Suchanfragen bleiben ohne Klick auf eines der Suchergebnisse.
  • Suchanfragen auf Smartphones verfehlen sogar zu 77 Prozent das Ziel
  • Auf dem Desktop sind es nur 46 Prozent.

Fishkin sagt dazu in seinem Blog: „Wir sehen eine steigende Kannibalisierung der Klicks durch Google.“
Frank Puscher, Autor beim Medienmagazin Meedia hat auf Fiskins Datenanalysen aufmerksam gemacht: „Google wehrt sich gegen Manipulationsvorwürfe bei der Suche“. In dem lesenswerten Beitrag werden weitere Details aufgeführt, die interessante Fragen aufwerfen:
Puscher: „Auf jeden Fall sollten Content-Provider ihre Google-Strategie auf den Prüfstand stellen.“

Für den Handelsverband Deutschland stellen sich damit auch Fragen, ob er als Branchenverband die nötige fachliche Autorität und Neutralität mitbringt, wenn er sich zur Marketing-Organisation für Google und einige konnektierte Unternehmen aufschwingt, die kleine Händler über große Online-Marketing-Budgets bedrängen.

Die Empfehlungen des Handelsverbandes Deutschland (HDE) in der Initiative ZukunftHandel lesen sich hilfreich. Doch der resultierende Beratungs- und Umstellungsaufwand gipfelt in enorm höheren Personal- und Administrationskosten, die nur durch hohe sechsstellige Umsatzzuwächse erwirtschaftet werden können! — Die entstehenden Kostenhürden einer effektiven Modernisierung des Geschäftsmodells von lokalen Händlern müssen näher in den Blick genommen werden!
Die Vision der daten- und algorithmengesteuerten SmartCity kommt damit unweigerlich auf den Prüftstand!


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