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Mehr als 1000 Stadtbäume starben an „Dürre-Stress“

Waldsterben am Insulaner

/// Kommentar: Zwei trockene Sommer in Folge, viele Bäume im Straßenland und in geschützen Grünanlagen haben die Hitze und Trockenheit nicht überlebt. Viele Bäume sind stark geschädigt. Mehr als 1000 Bäume sind abgestorben. Das Bezirksamt Tempelhof-Schöneberg, bzw. dessen zuständige Bezirksstadträtin Christiane Heiß (Bündnis `90/Grüne) ist am 27.September 2019 in einer Pressemitteilung darauf eingegangen: „Stadtbäume sterben an Stress – 1000 Bäume im Bezirk sind abgestorben oder stark geschädigt.“

Schon die Überschrift ist irreführend, den es wird von der Verantwortung des Fachbereich Grünflächen abgelenkt. Der Dürremonitor Deutschland des Mitteldeutschen Klimabüros, einer Einrichtung des Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung GmbH (UFZ) in Leipzig meldet schon seit dem Frühjahr 2018 bedenkliche Bodenzustände: erstmals seit 1976 wurde eine großflächige Dürre in Deutschland sowohl im Oberboden als auch über die gesamte Bodentiefe festgestellt (UFZ: Entwicklung der Dürre 2018).

Wer ab Sommer 2018 für Grünflächenverwaltung und Landwirtschaft verantwortlich ist, hätte den Dürremonitor aufmerksam beachten und durchgreifende Gegenmaßnahmen treffen können: Bewässerung, notfalls durch Feuerwehr, technisches Hilfswerk, Freiwillige und Wasserbetriebe und Bundeswehr. Auch hätten die eigenen Personalkapazitäten aufgestockt werden müssen. Zwei zusätzliche Bewässerungskolonnen hätten das nun sehr viel teurere Baumsterben verhindern können, wobei eine Kolonne etwa 4-6 Straßembäume und bis zu 10 Bäume in Grünanlagen und Parken schaffen kann.

Nun müssen nach vorsichtigen Schätzungen des Fachbereich Grünflächen rund 1.000 abgestorbene Bäumen im Bezirk im Herbst und Winter gefällt werden.

Das wird nun außerplanmäßig teuer:

Bäume fällen ist arbeitsintensiv und bindet 2-4 Mitarbeiter pro Baum. Zusätzlich müssen im Straßenland die Baumstubben und Wurzeln gerodet bzw. ausgefräst werden. Die Vorbereitung des Baumstandortes für eine Neupflanzung kostet auch außerplanmässig Geld. Und jede Neupflanzung schlägt größenabhängig mit mindestens 1.500-6.000 Euro zu Buche. Der wirtschaftliche Folgeschaden kostet nun ein Vielfaches einer außerplanmäßigen Bewässerung.

Baumtod in der Stadt: Trocken-Stress, Schwäche-Parasiten und Stadt-Streß

Bäume haben es in der Stadt schwer. Schlechte Bodenverhältnisse, Lichtmangel, Stammverletzungen durch Parken, abgerissene Wurzeln durch Bauarbeiten, Hundeurin und Streusalz sind typisch Faktoren von Stadt-Streß. Nicht zu vergessen: Abgase und Hitzestreß. Bei Jungbäumen werden die Pflanzensäfte an den sonnenbeschienenen Stammflächen regelrecht gekocht. Wassermangel ist dann die tödlichste Gefahr. Vor allem Flachwurzler und junge Bäume ohne Zugang zu Grund- oder Schichtenwasser sind durch Dürre gefährdet. Birken, Rotbuchen, Bergahorn, Linde und Eiche, aber auch Nadelgehölze wie Kiefern und Fichten sind durch die Dürre besonders betroffen.

Verantwortung der Straßen- und Grünflächenämter

Schon die Sprache der o.g. Presse-Mitteilung zeigt, wie wenig man sich der Verantwortung stellt: es wird verharmlosend von Wassermangel geschrieben, der den Stadtbäumen zusetzt:

„Dabei setzt nicht nur der Wassermangel den Stadtbäumen zu, aber er verstärkt gravierend den vorhandenen Stress durch
Solcherart geschwächte Bäume sind leichte Opfer von Parasiten- oder Pilzbefall. In der Folge sterben lebensnotwendige Versorgungsbahnen und Haltewurzeln ab. Dadurch wird die Standsicherheit der Bäume gefährdet und das Astbruchrisiko steigt. Das Bezirksamt muss dann starke Rückschnitte der Baumkrone bzw. Fällungen durchführen.“

Die eigene Verantwortung für gärtnerische Fürsorgepflichten wird so ausgeblendet.

Bezirksamtssprache verdeckt auch die Einsicht in Notwendigkeiten, es wird nur von Wasserknappheit gesprochen und die unterlassene Hilfeleistung wird kläglich begründet:

„Die durch die Dürre bedingte Wasserknappheit kann durch den Fachbereich Grünflächen nur teilweise ausgeglichen werden. So werden sämtliche Jungbäume bis zum 8. Standjahr wie auch Naturdenkmale gewässert.“

Dürre ist jedoch ein extremer, über einen längeren Zeitraum vorherrschender Zustand, in dem weniger Wasser oder Niederschlag verfügbar ist als für das Überleben der Bäume erforderlich ist. Jeder Gärtner weiß: wenn die verfügbare Wasserkapazität den permanente Welkepunkt (PWP) erreicht, stirbt jede Pflanze und jeder Baum ab.

Nach dem Sommer 2018 muss nun in jedem Fall mehr für die Bewässerung der Bäume in Dürreperioden getan werden. Dazu gehört auch eine fachpolitische Stärkung der Straßen- und Grünflächenämter, die wichtige Klimaschutz-Funktionen übernehmen, und mit Baumschutz und besserer Fürsorge für Bäume auch den Hitzeperioden in der Stadt entgegen wirken.

Künftig muß dafür gesorgt werden, die rund 55.000 Bäume und bessonder dürregefährdeten Grünflächen im Sommer ausreichend zu Wässern.

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