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West-Nil-Virus auch in Berlin-Brandenburg nachgewiesen

West Nil Virus

Das West-Nil-Virus hat die Region Berlin-Brandenburg erreicht. Seit 2018 wurden erste Fälle in Deutschland nachgewiesen. Im September dieses Jahres erfolgte der gesicherte Nachweis des West-Nil-Virus bei einem Greifvogel in Berlin und einem Pferd in Brandenburg nahe Berlin.
Das West-Nil-Virus (West Nile virus, WNV) ist ein seit 1937 bekanntes behülltes einsträngiges RNA-Virus aus der Familie Flaviviridae, das sowohl in tropischen als auch in gemäßigten Gebieten vorkommt.

Zu den Flaviviren gehören bekannte Erreger wie der Japanische Enzephalitis-Virus (JEV), der St. Louis Encephalitis-Virus (SLEV), der Dengue Virus Typ 1–4 (DENV), der Gelbfieber-Virus (YFV) und der Frühsommermeningoenzephalitis-Virus (FSMEV). Es sind allesamt Tropenkrankheiten, die heute per Fernreise mitgebracht werden können.

Eine Übersicht über Gebiete mit WNV-Zirkulation in der aktuellen und in vergangenen Saisons stellt das European Centre for Disease Prevention and Control (ECDC) zur Verfügung.

Das West-Nil Virus infiziert hauptsächlich Vögel, und kann laut Robert.Koch-Institut auch auf Menschen, Pferde und andere Säugetiere übergehen. Die WNV-Infektion beim Menschen verläuft in der überwiegenden Zahl der Fälle (ca. 80 %) symptomlos. Die klinische Symptomatik wird West-Nil-Fieber genannt. In nur etwa 1% der Fälle gibt es eine schwere Erkrankung.

Das Vorkommen bei Vögeln oder Pferden ist in Deutschland eine anzeigepflichtige Tierseuche. Seit 2016 ist, nach § 7 des deutschen Infektionsschutzgesetzes, der direkte oder indirekte Erregernachweis beim Menschen an das Gesundheitsamt namentlich meldepflichtig, wenn der Nachweis auf eine akute Infektion hindeutet.

Virus-Übertragung durch Mückenstiche

Das West-Nil-Virus wird durch Mückenstiche auf den Menschen übertragen. Stechmücken halten auch einen Übertragungskreislauf zwischen Vögen und Säugetieren (vor allem Pferde) in Gang. Auch Hauskatzen können Überträger sein. Eine Ansteckung von Mensch zu Mensch ist nur über nicht virusinaktivierte Blutprodukte möglich.
Die Forschung zur Verbreitung der Tropenkrankheiten wird u.a durch das Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin, eine Stiftung des öffentlichen Rechts in Hamburg, voran getrieben.
Das Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin (BNITM) widmet einen Großteil seiner Forschung den Stechmücken und den von ihnen übertragenen Krankheitserregern. Denn Stechmücken sind entscheidend für die Verbreitung bedeutender Infektionskrankheiten wie Malaria, Gelbfieber oder Dengue-Fieber. Die Insekten sind daher nicht nur lästige Plagegeister, sondern auch eine große Gefahr für die Weltgesundheit. Zum Welt-Moskito-Tag am 20.8.2020 hat das Institut ein Video zu seinem Forschungsschwerpunkt veröffentlicht

Persönliche Infektionsschutzvorsorge

Tierhalter:innen von positiv auf das West-Nil-Virus getesteten Pferden sollten zwar die ohnehin geltenden allgemeinen Hygienevorschriften beim Umgang mit Tieren befolgen, eine Ansteckungsgefahr besteht für sie jedoch nicht. Für Perde sind vorbeugenden Impfungen möglich.

Nach einer Inkubationszeit von 2 bis 14 Tagen kann es zu einer fieberhaften und grippeähnlichen Erkrankung kommen, die 3 bis 6 Tage anhält. Da die ersten Symptome auch ähnlich wie bei SARS-Covid-19 Infektionen ausprägen, sollte ein Arzt schon bei der Anamnese auf Unterscheidungsmerkmale achten und Labortests veranlassen, denn die Erkrankung nach Aufenthalt in mückenreichen Gebieten oder nach Reisen auftritt.

Die Symptome einer selteten schweren Erkrankung mit mentalen Veränderungen, Muskelschwäche und epileptischen Anfällen trifft eher ältere Personen, Personen mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Immungeschwächte. In der Regel heilt die Erkrankung nach einer symptombezogenen Therapie komplikationslos aus, nur bei schwer Erkrankten mit Hirn- oder Hirnhautentzündungen können sich auch Spätfolgen manifestieren.

Für Menschen sind noch keine Impfstoffe verfügbar. Der Schutz gegen Mückenstiche ist das einzig wirksame Mittel zum Schutz. Personen mit Hirn- oder Hirnhautentzündungen ohne bestimmte Ursache und bei gehäuftem Auftreten von Fällen mit unklarem Fieber ist eine Untersuchung auf das Virus anzuraten.

Weitere Informationen:

Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin (BNITM):
West-Nil-Virus kann sich in der „Gemeinen Hausmücke“ vermehren


Robert Koch Institut (RKI): West Nil Fieber im Überblick

Friedrich-Loeffler-Institut, Bundesforschungsinstitut für Tiergesundheit: West Nil Virus auch 2021 aktiv

Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR): West-Nil-Fieber in Deutschland (2004)