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„Plattformökonomie – Gute Arbeit in Zeiten digitaler Transformation?“

Plattformökonomie

Die Senatsverwaltung für Integration, Arbeit und Soziales lädt zu einer digitalen Konferenz zum Thema „Plattform-Ökonomie“ ein.

Die digitale europäische Konferenz trägt den anspruchsvollen Titel „Plattformökonomie – Gute Arbeit in Zeiten digitaler Transformation“ und findet am kommenden Montag, dem 21. September 2020 ab 10:45 Uhr statt.

Elke Breitenbach, Senatorin für Integration, Arbeit und Soziales sagte dazu: „Wir stellen fest, dass die fortschreitende Digitalisierung auch zunehmend die Formen der Erwerbstätigkeit verändert. Unsere Aufmerksamkeit muss diese Tätigkeiten mehr in den Blick nehmen, denn sie sind von Guter Arbeit oft weit entfernt.“

Themen der Konferenz

Im Fokus der diesjährigen europäischen Konferenz steht die Frage, wie für Erwerbstätige in der Plattformökonomie Gute Arbeit gestaltet werden kann.

Dabei soll es insbesondere um Arbeit auf Dienstleistungsplattformen gehen, auf denen Click- und Gigworker/innen tätig sind, z. B. als Mikrojobber/innen, Kurierfahrer/innen und Reinigungskräfte. Es geht dabei vor allem um faire Bezahlung, um verbesserte Arbeitnehmerrechte, gute Arbeitsbedingungen und um soziale Absicherung.

Auf der digitalen Konferenz werden die Motivation und Herausforderungen von Plattformarbeiter/innen, die Bewertung von plattformvermittelter Arbeit im europäischen und internationalen Kontext sowie die Veränderung unserer Städte durch die Plattformökonomie diskutiert.
Das geschieht aus europäischer, nationaler und städtischer Perspektive. Außerdem werden Beispiele einer guten Praxis aus Berlin und anderen europäischen Städten ausgetauscht, um gegenseitiges Lernen und entsprechendes Handeln zu befördern.

Eröffnet wird die Veranstaltung durch den Regierenden Bürgermeister Michael Müller. Senatorin Elke Breitenbach wird in einem Live-Interview über die Thematik aus der Sicht der Hauptstadt sprechen. Die Konferenz ist in drei Themenblöcke unterteilt:

1. Plattformarbeit als Zukunftsmodell? – Digitale Geschäftsmodelle im europäischen und internationalen Kontext,

2. Gute Arbeit auf Plattformen gestalten – soziale Absicherung, Flexibilisierung, Regulierungsbedarfe und

3. „Plattformisierung“ als Trend – Plattformarbeit in urbanen Räumen, Good Practice und alternative Modelle.


Online-Teilnehmer/innen können sich über einen Live-Chat und Umfragen direkt an der Konferenz beteiligen. Weitere Informationen zum Programm gibt es auf der Internetseite der Senatsverwaltung für Integration, Arbeit und Soziales. Anmeldeschluss ist der 18.09.2020.

Anmeldung zur Konferenz:
form.gsub.de/platformeconomy2020


Kommentar:
Das Logo „Arbeit 4.0 Made in Berlin“ betrifft eine bestimmte Typologie von Plattformökonomien, die durch marketinggetriebene Startups durchgesetzt wird. Allen gemeinsam ist die Fokussierung auf ein enges Geschäftsmodell oder Geschäftsfeld, die Formalisierung und Servicialisierung der Arbeitsabläufe mittels IKT-Technologien und die Einbindung von Arbeitnehmern nach erfolgsbasierten Anforderungen, Skills und einheitlichen Entlohnungsmodellen. Die Bindung der Arbeitskräfte erfolgt nach diversen Netzwerktopologien: mal als soziales Netzwerk, mal über Ausschreibung und Wettbewerb, mal als selektive Vertragsbindung für feste und freie Mitarbeit. Die Festanstellung zu sozialversicherungspflichtigen Erwerbsformen zum Mindestlohn ist eher die Ausnahme.
In der Plattform-Typologie werden jeweils Erträge aus direkten Überschüssen von Transaktionen und Digitalprovisionen erzielt, die aufgrund der gültigen Steuergesetzgebung und Regulierungskosten zwischen 10-49% betragen können. Die Gewinnerwartung ist daher oft hoch. Für Beschäftigte gehen hohe Digitalprovisionen zu Lasten der möglichen Erträge aus Erwerbsarbeit. Plattform-Worker verdienen daher oft schlechter und sind sozial weniger abgesichert, als Festangestellte im vergleichbaren Berufsfeld.
Sozioökonomisch ist das hoch problematisch, denn als Folge der „Arbeit 4.0 Made in Berlin“ sind Plattform-Jobber in prekären und disponiblen Erwerbsformen gefangen, die kaum von der allgemeinen Wohlstandsentwicklung profitieren.

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m/s