Donnerstag, 22. Februar 2024
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Zeitungslose Häuser und Straßen — was läuft schief?

Anzeigenzeitungs-Vertrieb

Von Michael Springer

Eine Leser-Zuschrift erreichte die Redaktion:

„Sehr geehrte Damen und Herren,

zu unserer positiven Überraschung hatten wir am 04.02.2023, seit wenigstens gut 6 Monaten, mal wieder eine “Berliner Woche” im Briefkasten.

Wir haben das Blatt immer ganz gerne gelesen und uns sehr lange Zeit gewundert das die Zeitung immer nur in bestimmten Straßenzügen in den Kästen steckte. Bei uns im Dirschelweg z.B. wurde das Blatt immer nur auf der Straßenseite mit den geraden Hausnummern in die Kästen

gesteckt & im umliegenden Gewerbegebiet (wo niemand wohnt wurden die Firmenbriefkästen damit gefüttert ) waren die Briefkästen voll damit, was uns immer stark verwundert hat !!!

In der Hoffnung das eine regelmäßige Lieferung auch weiterhin Bestand hat verbleibe ich….. “

Mit freundlichen Grüßen
R.L.

In dieser und ähnlicher Art wird die Redaktion der Tempelhof-Schöneberg Zeitung öfter angeschrieben.
Offensichtlich wird die gedruckte Anzeigenzeitung eines anderen Verlages sehr geschätzt, zumal sie kostenlos in das Haus kommt.

Anzeigenzeitungen – ein bedrohtes Zeitungsformat

Doch offensichtlich gibt es immer wieder Probleme, die Zeitung zuzustellen. Viele Briefkästen tragen die Aufkleber „Bitte keine Werbung“, und oft können die Empfänger mit den deutschsprachigen Zeitungen nichts anfangen, weil ihr Sprachzugang und Kulturzugang noch nicht entwickelt ist. — Eigentlich müsste es längst Beiträge in englischer Sprache und Grußseiten in Arabisch und Türkisch geben!

Für das Vertriebsmodell „Anzeigen-Zeitung“ ist das eine betriebswirtschaftlich tödliche Kombination.

Zudem gibt es ein weiteres zusammenwirkendes Systemrisiko: „Das Wetter“ und der „Mindestlohn.“

Da der Verlag die Hausverteilung nur unter größten Schwierigkeiten finanzieren kann, ist der gezahlte Mindestlohn plötzlich im Konkurrenzverhältnis zur vergleichbaren „wetterfesten Hilfstätigkeiten“, die unter dem Dach von Lagerhallen und Logistikzentren ausgeübt werden.

Immer wenn ein Zeitungsbote für sich Hilfstätigkeiten mit Mindestlohn in der Warenkommissionierung und im Onlinehandel entdeckt entsteht ein Loch im Netz der Zeitungsverteilung. — Tausende Exemplare bleiben dann unverteilt. — Die gedruckte Zeitung stirbt mit dieser neuen Konkurenz womöglich ganz aus.

Konzept digitale und smartmobile Zeitung — systemrelevant

Das Konzept der Tempelhof-Schöneberg Zeitung wurde entwickelt, weil jeder Bürger ein Recht auf eine Zeitung haben sollt! — Denn nur so kann sich die Offene Gesellschaft überhaupt konstituieren und verständigen!
Das Prinzip der „rechtskonformen, inklusiven und sozial verantwortlichen Digitalisierung“ wurde dabei verfolgt, um digitale Lokalpresse zum betriebswirtschaftlich lauffähigen Modell zu machen! — Ein schwerer Weg, denn die Medienpolitik und Digitalpolitik in Berlin arbeitet dem konsequent und mit kollektivistischen Konzepten entgegen, die Arbeitsplätze durch staatlich finanzierte Ehrenämter ersetzen und eine Prekarisierung in der !Kultur- und Kreativwirtschaft und in den Großsiedlungen antreiben.

Tatsächlich ist eine qualitätiv gut entwickelte digitale und smartmobile Zeitung systemrelevant:

  • Demokratie, Gewaltenteilung und Bürgerrechte und eine funktionierende Stadt benötigen auch eine funktionierende Presse und sichtbare, transparente Märkte und Regeln.
  • lokale Wertschöpfung und gute Arbeit hängen von freier Entfaltung und fairen, offenen Märkten ab.
  • Regeln, Gesetze und Nachhaltigkeitsprinzipien müssen öffentlich zugänglich sein.
  • Fakten und Wissen müssen offen zugänglich sein, um die Spaltung in arm & chancenreich zu blocken.

Ein Weg wird mit der Tempelhof-Schöneberg Zeitung und 11 weiteren Bezirkszeitungen beschritten, der individuellen Freiheiten und wirtschaftliche Entfaltungsfreiheiten und eine europäisch gepräge Digitalisierung mit offenen Systemen und mit Digitaler Souveränität aufbaut. Das bedeutet: alles ist lokal verhandelbar und gestaltbar! ( Ihre Ideen: einfach einreichen! )

Mittlerweile wurde das Konzept Offene Redaktionelle Gesellschaft (ORG) entwickelt! — Die Parteien in Berlin hassen es wie die Pest! — Denn es zwingt dazu, die Kungelei in Hinterzimmern und sozialen Netzwerken mindestens öffentlich zu erklären! — Und es zwingt dazu, wieder die Grundsätze des Parteiengesetzes ernst zu nehmen, insbesondere §7 PartG. Dort steht etwas von „Gebietsverbände“ – nicht von „elitären Social-Media-Netzwerken,“ die nur Nerds und Politologen anziehen!

Kommt die gedruckte Zeitung zurück?

Systemrelevanter Journalismus und die gedruckte Zeitung müssen künftig durch gesetzliche Regeln und neutrale Finanzierungsregeln abgesichert werden. Ziel ist es, „alle Zeitungen“ auch als gedruckte Version und als Kulturgut zu erhalten! — Denn Digitalisierung, Mediennutzung und Künstliche Intelligenz wirken zusammen dem indiviuellen Aufbau von Bildungs- und Lesekompetenzen (derzeit noch) entgegen!
Eine Lösung wird vorbereitet, die als EU-weites Recht funktioniert, und alle Presse- und Zeitungsmedien
wirtschaftlich stützt. Zudem soll jeder EU-Bürger ein Recht auf öffentliche Publikation bekommen — wenn publizistische Form und Schöpfungshöhe erreicht wird: Publizieren statt posten! — Schafft Kultur. Gut!